Kondome als Siegerprämie: Poker-Community fordert Boykott der Japan Open Poker Tour

Kondome als Siegerprämie: Poker-Community fordert Boykott der Japan Open Poker Tour

Der respektvolle Umgang mit Frauen bleibt in der Pokerwelt ein sensibles Thema. Im Oktober 2026 sorgten die Japan Open Poker Tour (JOPT) und Sagami Inc. allerdings für einen Eklat, der selbst für erfahrene Beobachter der Szene ungewöhnliche Ausmaße annahm. Eine fragwürdige Entscheidung bei einem Damenturnier brachte beiden Unternehmen massive Kritik ein und beschädigte ihr öffentliches Ansehen.

Was genau ist passiert, und warum werden inzwischen Forderungen nach einem Boykott der Turnierserie laut?

Kondome und Gleitmittel als Zusatzpreise für Pokerspielerinnen

Am 6. Oktober 2026 veröffentlichte der X/Twitter-Nutzer ゼクシィ einen Screenshot der Turnierbeschreibung der JOPT NLH Ladies Championship. Als Sponsor des Events trat Sagami auf, ein japanischer Hersteller von Kondomen und medizinischen Gummiprodukten.

Turnierbeschreibung der JOPT NLH Ladies Championship
Turnierbeschreibung der JOPT NLH Ladies Championship

Für Empörung sorgte vor allem die Zusammenstellung der zusätzlichen Sachpreise. Die Siegerin sollte insgesamt 150 Kondome und drei Gleitmittel erhalten. Für Platz zwei waren 80 Kondome und drei Gleitmittel vorgesehen, während die Drittplatzierte mit 40 Kondomen und einem Gleitmittel ausgezeichnet werden sollte.

Sachpreise der JOPT NLH Ladies Championship

PlatzierungPreise
1 PlatzSagami Original 0.01 Condoms, 10er-Pack × 12 Schachteln; Sagami Original 0.01 L-Size Condoms, 10er-Pack × 3 Schachteln; 99% Water-Based Lubricating Jelly × 3; Fanlith × JOPT Hoodie × 1; Fanlith × JOPT T-shirt × 1; Fanlith Socks × 1 Paar; OHARAPEARL Tahitian Pearl Ring; brillar Single Shared-Prong Ear Cuff ER115YG
2 PlatzSagami Original 0.01 Condoms, 10er-Pack × 6 Schachteln; Sagami Original 0.01 L-Size Condoms, 10er-Pack × 2 Schachteln; 99% Water-Based Lubricating Jelly × 3; Fanlith × JOPT T-shirt × 1; Fanlith Socks × 1 Paar
3 PlatzSagami Original 0.01 Condoms, 10er-Pack × 3 Schachteln; Sagami Original 0.01 L-Size Condoms, 10er-Pack × 1 Schachtel; 99% Water-Based Lubricating Jelly × 1; Fanlith × JOPT T-shirt × 1

In der japanischen Poker-Community löste diese Preisvergabe heftige Reaktionen aus. Zahlreiche Kommentatoren werteten die Aktion als offene Respektlosigkeit gegenüber Frauen. Während einige darin lediglich einen geschmacklosen Scherz sahen, interpretierten andere die Entscheidung als Ausdruck eines grundsätzlichen Problems: Offenbar würden die Veranstalter Frauen weniger als ernst zu nehmende Pokerspielerinnen betrachten, sondern sie vor allem auf ihre Sexualität reduzieren.

Die Empörung ging so weit, dass innerhalb der japanischen Pokerszene erste Diskussionen über einen möglichen Boykott der JOPT aufkamen. Damit wollten Spieler ein deutliches Zeichen gegen die Behandlung von Frauen bei Pokerturnieren setzen.

Allerdings gab es auch Stimmen, die versuchten, die Preisvergabe in einen anderen Kontext zu stellen. Einige Community-Mitglieder erinnerten daran, dass Sagami von einer Frau namens Saku Matsukawa gegründet worden war. Die Kondome des Unternehmens sollten ursprünglich insbesondere Frauen vor sexuell übertragbaren Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften schützen.

Vor diesem historischen Hintergrund erschien die Auswahl der Preise zumindest teilweise nachvollziehbar. Doch diese Argumentation verlor schnell an Überzeugungskraft, als Sagami selbst eine öffentliche Stellungnahme veröffentlichte.

Sagami reagiert auf die Kritik – und sorgt für weitere Empörung

Bereits in der ursprünglichen Ankündigung der von Sagami gesponserten Ladies Championship hatte das Unternehmen großen Wert darauf gelegt, Spaß und gegenseitigen Respekt als zentrale Bestandteile seiner Unternehmensphilosophie hervorzuheben.

Sagami reagiert auf die Kritik – und sorgt für weitere Empörung

Nach den zahlreichen negativen Reaktionen aus der japanischen Poker-Community veröffentlichte Sagami eine Entschuldigung. Darin versuchte das Unternehmen, seine Beweggründe zu erläutern, griff allerdings weitgehend auf dieselben Argumente zurück, die bereits in der ersten Turnierankündigung verwendet worden waren.

Sagami's Apology Tweet

Bei einigen Kritikern kam diese Erklärung noch schlechter an als die ursprüngliche Entscheidung. Insbesondere der erneute Verweis auf das Motto „Fun First“ stieß auf Unverständnis. Auch die Betonung der weiblichen Unternehmensgründerin wurde von Teilen der Community als Versuch gewertet, eine fragwürdige Entscheidung bei der Ladies Championship nachträglich zu rechtfertigen.

Andere Spieler machten auf einen weiteren Punkt aufmerksam: In der Stellungnahme war offenbar keine Rede davon, die umstrittenen Preise auszutauschen oder durch alternative Gewinne zu ersetzen.

Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass Sagami hauptsächlich Verhütungsmittel produziert und für das Turnier schlicht Produkte aus dem eigenen Sortiment zur Verfügung gestellt hat. Für viele Kritiker war dies jedoch keine ausreichende Erklärung.

Warum die Poker-Community zum JOPT-Boykott aufruft

Dass Frauen bei Pokerturnieren mit ungewöhnlichen Sonderpreisen bedacht werden, ist kein neues Phänomen. Während bei offenen Events üblicherweise Geldpreise und Sammlerstücke vergeben werden, greifen Veranstalter bei Frauenturnieren immer wieder auf stereotype Vorstellungen davon zurück, welche Geschenke Spielerinnen angeblich gefallen könnten.

Statt klassischer Pokerpreise stehen dann plötzlich Kosmetikprodukte, Wellness-Gutscheine oder Trophäen mit fragwürdigen, übertrieben feminin gestalteten Designs im Mittelpunkt.

Die meisten Spielerinnen nehmen solche Aktionen vergleichsweise gelassen hin. Schließlich überschreiten die Veranstalter damit in der Regel keine gravierenden ethischen Grenzen und bringen nicht zwangsläufig eine ausdrücklich respektlose Haltung gegenüber Frauen zum Ausdruck.

Ein besonders auffälliger Vorfall dieser Art ereignete sich allerdings beim Battle of Malta. Dort hatten die Organisatoren beschlossen, bei einem Damenturnier spärlich bekleidete Dealer einzusetzen. Offenbar gingen sie davon aus, dass sich die Teilnehmerinnen während des Pokerspielens gerne halbnackte Männer ansehen würden.

Dealer beim Battle of Malta
Dealer beim Battle of Malta

Der Fall rund um die JOPT unterscheidet sich jedoch deutlich von solchen früheren Kontroversen. Ausschlaggebend für die besonders heftige Kritik ist vor allem die Tatsache, dass Sagami praktisch jede beliebige Art von Zusatzpreis hätte finanzieren können.

Statt Accessoires, Kleidung oder wenigstens Kosmetikprodukten, wie sie andere Sponsoren häufig bereitstellen, entschied sich das Unternehmen ausgerechnet für Kondome und Gleitmittel.

Von einem Unternehmen dieser Größenordnung sollte man im Jahr 2026 eigentlich ein höheres Maß an Sensibilität erwarten können. Schließlich sind nicht alle Frauen sexuell aktiv, nicht alle sind heterosexuell und nicht jede Frau kann oder möchte Kondome beziehungsweise Gleitmittel verwenden.

Die Entscheidung für solche Produkte ist ausgesprochen persönlich und hängt von individuellen Bedürfnissen und Lebensumständen ab. Sie pauschal als passende Gewinne für ein Damenturnier zu präsentieren, vermittelt dagegen den Eindruck, als würden sämtliche Teilnehmerinnen dieselben Bedürfnisse haben.

Genau darin liegt einer der zentralen Kritikpunkte: Die Preisvergabe wirkt wie ein undifferenzierter Versuch, allen Frauen dasselbe aufzudrängen, nur weil es sich um ein ausschließlich weibliches Teilnehmerfeld handelt.

Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem. Was soll eine Spielerin mit Dutzenden oder sogar Hunderten Kondomen anfangen, wenn sie diese überhaupt nicht benötigt oder die Produkte für sie ungeeignet sind?

Anders als bei gewöhnlichen Sachpreisen dürften sich viele Frauen kaum damit wohlfühlen, Kondome oder Gleitmittel einfach weiterzuverschenken oder gar an andere Personen zu verkaufen.

Die Kontroverse um die JOPT NLH Ladies Championship zeigt damit, wie schnell eine vermeintlich harmlose Sponsorenaktion zu einer grundsätzlichen Debatte über Respekt und Geschlechterstereotype im Poker werden kann. Die wachsenden Boykottaufrufe verdeutlichen, dass ein Teil der Community nicht länger bereit ist, solche Entscheidungen einfach hinzunehmen.