Drittes Mal Glück? ACR Poker reagiert auf den nächsten RTA-Skandal
PokerListings
- Aktualisiert: 30. September 2026
- Lesezeit: 6 min read
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In der dritten Septemberwoche 2026 erlebte die Poker-Community auf X/Twitter ein ausgesprochen bekanntes Gefühl – diesmal allerdings mit einer kleinen Wendung. ACR Poker geriet erneut wegen Real-Time Assistance in die Schlagzeilen, reagierte diesmal aber deutlich schneller und entschlossener als bei früheren Vorfällen. Zumindest auf den ersten Blick.
Was genau passiert ist, zeigt dieser Überblick.
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Eine ziemlich schlechte Marketingidee
Am 16. September 2026 veröffentlichte der Account TrenirusGTO auf X/Twitter ein Video, in dem jemand an einem Tisch auf einem der WPN-Skins spielte und dabei offenbar Real-Time Assistance für seine Entscheidungen nutzte. Sämtliche Nicknames waren verdeckt, sodass die beteiligten Spieler zunächst nicht identifiziert werden konnten.

Das Video verbreitete sich schnell innerhalb der Poker-Community. Dazu trug auch der Betreiber des Accounts selbst bei, der den Beitrag aggressiv in den Kommentarspalten verschiedener Spieler immer wieder verlinkte, offenbar um möglichst viel Aufmerksamkeit auf sein Tool zu lenken und es zu verkaufen.
Der Plan ging allerdings nicht besonders gut auf.
Die Reaktionen aus der Community waren überwiegend empört. Zum einen sorgte es für Ärger, dass jemand derart offen mit einem Tool zum Cheaten im Online-Poker warb. Zum anderen stellte sich die Frage, warum die Software der Pokerseite im gezeigten Video offenbar nicht auf die verwendete Drittanbieter-Software reagierte.
Zu den bekanntesten Spielern, die den Urheber des Videos scharf kritisierten, gehörte Chris Moneymaker. Besonders störte ihn der Versuch, das Ganze mit dem angeblich ehrenhaften Argument zu rechtfertigen, Spielern lediglich beim Verbessern ihres Spiels helfen zu wollen.
Diese Scheiße verbessert dein Spiel nicht, das ist ganz offensichtliches Cheating, und jeder, der dabei erwischt wird, wird sein Geld verlieren.
TrenirusGTO antwortete darauf und widersprach Moneymaker. Seine Argumentation: „Wenn du nichts über das Spiel weißt, würde es dich irgendwann zu 100 % verbessern. UND VIEL SCHNELLER ALS LANGWEILIGE CHARTS UND THEORIE.“
Moneymaker ließ sich davon nicht überzeugen.
Erstens darfst du es nicht verwenden, während du aktiv spielst. Zweitens würden die Leute einfach auf den Button klicken, ohne zu verstehen, warum. Nimm ihnen das Tool weg und Monate später wären sie genauso ahnungslos. Das ist nichts anderes als ein Cheating-Tool, durch das Menschen Geld verlieren werden.
Moneymaker war bei Weitem nicht der einzige bekannte Spieler, der sich zu dem Fall äußerte.
Patrick Leonard betonte, dass dieser Vorfall seiner Meinung nach nur einen winzigen Ausschnitt des tatsächlichen RTA-Problems im Poker zeige.
Das ist sehr beängstigend, aber das wirklich Beängstigende ist, dass dies weniger als 1 % der wirklich großen und beunruhigenden RTA-News ausmacht, über die jeder Reg seit einer Woche ununterbrochen spricht.
Auch Matt Berkey schaltete sich ein und äußerte grundsätzliche Bedenken zur Verbindung von AI und Real-Time Assistance im Online-Poker.
Da es inzwischen so einfach ist, mithilfe von AI Tools zu bauen, geht es eigentlich nicht mehr darum, ob RTA eingesetzt wird – diese Frage dürfte sich schon seit Jahren nicht mehr stellen –, sondern darum, wie gut die Informationen sind, die sie in Echtzeit erhalten. Ich kann mir nur schwer ein Ende vorstellen, bei dem nicht die Betreiber und die Cheater das ganze Geld verdienen.
Schließlich meldete sich auch WPN-CEO Phil Nagy selbst zu Wort und kommentierte das Video.
„RTA ist zu 100 % ein Thema, das die Pokerbranche ernst nehmen muss.
Wir sperren aktuell Spieler, die beim Einsatz solcher Tools erwischt werden, und ACR ist die EINZIGE Seite auf diesem Planeten, die bei einem Final Table alle Hole Cards offen zeigt.
Warum? Weil die Community etwas erkennen und melden kann, falls uns etwas entgeht – und wir reagieren darauf.
Der LETZTE Ort, an dem du RTA einsetzen möchtest, ist ACR Poker.
Wenn wir dich erwischen, wirst du lebenslang gesperrt.“
Interessanterweise vermuteten einige Beobachter, dass es sich bei dem betreffenden Account möglicherweise lediglich um einen Troll handelte, der mithilfe AI-generierter Inhalte den Eindruck erwecken wollte, sein RTA-Tool werde tatsächlich während laufender Games eingesetzt, um den Absatz zu steigern.
Das Team von ACR Poker nahm den Fall allerdings deutlich ernster, als viele es von der Plattform erwartet hatten.
ACR Poker reagiert innerhalb eines Tages
Der Fall weckte zwangsläufig Erinnerungen an die früheren Kontroversen rund um die ehemaligen Ambassadors Ebony Kenney und Nacho Barbero. Beide waren dabei gesehen worden, wie sie während einer laufenden Session auf ACR Poker einen Solver nutzten. Nach internen Untersuchungen kam die Pokerseite jedoch jeweils zu dem Schluss, dass keine Regelverletzung vorgelegen habe.
Diesmal fiel die Reaktion anders aus.
Zunächst veröffentlichte der offizielle ACR-Poker-Account ein ausführliches Statement auf X/Twitter.
Die Reaktionen darauf waren eher verhalten.
Exemplarisch brachte Crispin Rovere die allgemeine Kritik auf den Punkt. Seiner Ansicht nach ist es grundsätzlich problematisch, dass die Software von ACR offenbar nicht bereits über ausreichende Mechanismen verfügt, um entsprechende Drittanbieter-Tools zuverlässig zu erkennen.
„Es ist empörend, dass ACR nicht längst über angemessene Detection-Tools und Mechanismen verfügt.
Das ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, überhaupt Poker-Games auf einer Plattform anzubieten, und nichts, was erst untersucht werden sollte, nachdem ein Problem öffentlich gemacht wurde.
Jeglicher Spielbetrieb auf der Plattform sollte eingestellt werden, bis ACR die Integrität der Games für alle Spieler garantieren kann.“
ACR Poker beließ es diesmal jedoch nicht bei einer öffentlichen Verurteilung von RTA.
Die Seite veröffentlichte auch den Benutzernamen sowie weitere Daten zu jenem Account, der im Video von TrenirusGTO zu sehen gewesen war:
- Username — UGLYRETD
- Erstellungsdatum des Accounts — 8/2/2026
- Einzahlungen — $14.13
- Spielzeit auf ACR Poker — 1 Tag
- 65 Hände auf $0.05/0.10
- 27 Hände auf $0.02/0.05
- 19 Hände auf $0.01/0.02
- Dokumentierter Nettoverlust — $13.12
ACR Poker sperrte den Account und kündigte an, die sieben betroffenen Spieler für sämtliche Hände gegen diesen Account zu entschädigen. Die Rückzahlungen sollten innerhalb von 24 Stunden nach Veröffentlichung des Posts erfolgen.
Als zusätzlichen Nachweis für die Identifizierung des Accounts veröffentlichte ACR ein weiteres Video vom selben Tisch, der bereits im TrenirusGTO-Clip zu sehen gewesen war – diesmal allerdings mit allen sichtbaren Screen Names.

Abschließend bedankte sich das Team bei der Poker-Community dafür, den Fall so schnell gemeldet und ACR Poker auf die Posts des mutmaßlichen Betrügers aufmerksam gemacht zu haben.
„Der Schutz der Integrität unserer Games ist eine gemeinsame Verantwortung, und Meldungen von Spielern sowie aus der gesamten Poker-Community sind ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses.
Da ständig neue Formen unerlaubter Unterstützung entstehen, werden wir unsere Methoden zur Erkennung, Untersuchung und Durchsetzung unserer Regeln weiterentwickeln.
Wir werden die Details dieser Methoden nicht öffentlich machen, doch unsere Position bleibt eindeutig:
Real-Time Assistance ist auf ACR Poker verboten. Accounts, bei denen ein solcher Einsatz festgestellt wird, werden dauerhaft gesperrt, und betroffene Spieler werden vollständig entschädigt.
Wir schätzen es, dass die Poker-Community uns zur Verantwortung zieht, und werden weiter daran arbeiten, ACR Poker zu einem sichereren und faireren Ort zum Spielen zu machen.“
Die Poker-Community bleibt skeptisch
Einige Spieler, darunter Rob Gardner, lobten ACR Poker dafür, zumindest in diesem Fall deutlich transparenter aufzutreten als zuvor. Insgesamt bleiben die Reaktionen jedoch gemischt.
Ein Teil der Community stört sich daran, dass ACR Poker einen Teil der Verantwortung für Security und Game Integrity ausdrücklich auf die Spieler selbst zu verlagern scheint. Der Eindruck lautet sinngemäß: „Das ist eine komplexe Aufgabe – also machen wir sie gemeinsam.“
Andere weisen darauf hin, dass die schnelle Lösung dieses konkreten Falls nichts daran ändert, dass weitere Spieler RTA womöglich weiterhin unentdeckt einsetzen können.
Besonders skeptische Stimmen vermuten hinter dem gesamten Vorgang sogar einen Marketing-Schachzug von ACR Poker. Aus dieser Perspektive könnte die öffentlichkeitswirksame Verurteilung von RTA auch dazu dienen, das Image der Seite aufzupolieren – zu einem Zeitpunkt, an dem sie regelmäßig wegen Bots und angeblich unzureichender Anti-Cheating-Systeme kritisiert wird.
Welche dieser Einschätzungen der Realität am nächsten kommt, lässt sich nicht abschließend feststellen.
Klar ist jedoch: Die Sorge über die rasante Weiterentwicklung von Betrugs-Tools bleibt bestehen und wird eher größer als kleiner. Pokerseiten haben zunehmend Schwierigkeiten, neue Formen unerlaubter Unterstützung schnell zu erkennen, während die technischen Möglichkeiten für Cheater immer ausgefeilter werden.
Die Anbieter müssen ihre Schutzmechanismen deshalb dringend verschärfen. Gleichzeitig dürfte es für prominente Stimmen innerhalb der Pokerwelt immer wichtiger werden, sich klar und konsequent gegen RTA zu positionieren.
Andernfalls besteht tatsächlich das Risiko, dass Online-Poker als dauerhaft tragfähiger Beruf zunehmend unter Druck gerät.
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