João Simão ist Brasiliens erfolgreichster Pokerspieler – warum steht er zu Hause im Schatten von Yuri Dzivielevski?

João Simão ist Brasiliens erfolgreichster Pokerspieler – warum steht er zu Hause im Schatten von Yuri Dzivielevski?

Gerade einmal zwei Big Blinds waren João Simão geblieben, als beim $200.000 Triton Invitational im südkoreanischen Jeju an Tag 2 die Geldränge erreicht waren. Normalerweise ist die Geschichte an diesem Punkt schnell erzählt: All-in, Call, Ausscheiden und ab zur Auszahlung.

Doch Simão schrieb ein anderes Ende. Der Brasilianer kämpfte sich mit seinem Mini-Stack zurück ins Turnier, erreichte den Final Table als Chipleader und setzte sich schließlich gegen ein Rekordfeld von 173 Entries durch. Mit $7.250.000 kassierte er das höchste Preisgeld, das jemals ein Brasilianer bei einem Pokerturnier gewonnen hat.

„So etwas erlebt man normalerweise nur einmal im Leben“, sagte Simão unmittelbar nach seinem Triumph gegenüber PokerNews.

Vielleicht trifft das auf ihn aber gar nicht zu. Der Sieg in Jeju war kein völlig überraschender Ausreißer, sondern der bisherige Höhepunkt einer außergewöhnlichen Erfolgsserie. Laut Card Player hat Simão inzwischen mehr als $31 Millionen an Turnierpreisgeldern gewonnen und ist damit der erfolgreichste Turnierspieler in der Geschichte Brasiliens.

International gilt er längst als die Nummer eins seines Landes. In Brasilien selbst ist sein Name außerhalb der eingefleischten Pokerszene dagegen weit weniger präsent. Wie passt das zusammen?

Bevor Simão die High Roller eroberte, war „joaosimaobh“ die Nummer eins der Online-Welt

Wer verstehen will, wie João Simão zu einem der erfolgreichsten Turnierspieler der Gegenwart wurde, muss zunächst auf seine Online-Karriere zurückblicken.

Der Brasilianer stammt aus Belo Horizonte. Daher kommt auch das Kürzel „bh“ in seinem Nickname „joaosimaobh“, den er mehr als ein Jahrzehnt lang verwendete. Lange bevor er regelmäßig bei den teuersten Live-Turnieren der Welt antrat, gehörte er online bereits zur absoluten Spitze.

2016 führte Simão die weltweite Rangliste von PocketFives gleich dreimal an. Auf PokerStars gewann er unter dem Namen „INeedMassari“ Titel bei der WCOOP, SCOOP und TCOOP. Bei partypoker, wo er von 2016 bis Anfang 2022 als gesponserter Ambassador unter Vertrag stand, sammelte er mehr als ein Dutzend Powerfest-Siege.

Bis 2018 hatten seine Online-Cashes bereits die Marke von $7,5 Millionen überschritten.

An den Live-Tischen sah seine Bilanz damals noch deutlich bescheidener aus. Mit rund $2,1 Millionen an Turniergewinnen belegte er 2018 lediglich Platz fünf der brasilianischen All-Time-Money-List. Ein respektables Ergebnis, das allerdings kaum erahnen ließ, welche Summen später folgen würden.

Zur gleichen Zeit betrieb Simão gemeinsam mit seiner Ehefrau Luiza die Massari Poker School. Das Coaching-Projekt ist inzwischen zumindest in den sozialen Medien weitgehend verstummt.

Weniger bekannt ist ein anderer Teil seiner Geschichte. In einem Gespräch mit PokerNews berichtete Simão über seine schwierige Kindheit und die Herausforderungen, mit denen er schon früh konfrontiert war. Gemessen an diesen Erfahrungen empfinde er selbst eine Partie gegen die besten Pokerspieler der Welt als vergleichsweise angenehme Situation.

Sportlich hatte er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch eine große Lücke in seiner Erfolgsbilanz: Ihm fehlte ein WSOP-Bracelet. Auf das erste musste er länger warten als auf viele seiner anderen Titel.

Vier WSOP-Bracelets in vier unterschiedlichen Formaten

Joao Simao

Erst 2021 gelang João Simão der erste Bracelet-Gewinn seiner Karriere. Passenderweise feierte der ehemalige Online-Spezialist diesen Erfolg im Internet.

Seitdem kamen drei weitere Bracelets hinzu. Bemerkenswert dabei: Jeder der vier WSOP-Siege gelang ihm in einem anderen Pokerformat.

  1. 2021 – WSOP Online, $1.111 Caesars Cares: Simão setzte sich gegen 1.584 Entries durch und gewann $206.075. Im Heads-up bezwang er den Norweger Espen Sandvik.
  2. 2022 – Event #53, $5.000 Mixed NLH/PLO: Sein erstes Live-Bracelet sicherte er sich gegen ein Rekordfeld von 788 Entries. Dafür erhielt er $686.242. Am Final Table saß unter anderem Ryan Riess, der Main-Event-Champion von 2013.
  3. 2025 – WSOP Paradise, $150.000 Triton 8-Handed: Das dritte Bracelet brachte Simão $3.067.000 ein. Besonders bemerkenswert war der rein brasilianische Dreifachsieg: Felipe Boianovsky belegte Platz zwei, Yuri Dzivielevski wurde Dritter.
  4. 2026 – Event #55, $50.000 High Roller Pot-Limit Omaha: Für sein viertes Bracelet kassierte Simão $1.368.700. Im Heads-up gegen den Inder Santhosh Suvarna musste er zunächst einen Rückstand von 12,2 Millionen zu 20,8 Millionen Chips aufholen. Yuri Dzivielevski erreichte ebenfalls den Final Table und beendete das Turnier auf Rang sechs.

Seinen vierten WSOP-Titel gewann Simão ausgerechnet am amerikanischen Vatertag 2026. Die brasilianischen Fans feierten ihn daraufhin mit „Tetra“-Sprechchören.

Der Begriff gehört seit dem vierten Fußball-Weltmeistertitel Brasiliens im Jahr 1994 fest zum sportlichen Sprachgebrauch des Landes. Auch beim Poker war der vierte Titel damit ein besonderer Anlass zum Feiern.

Online No-Limit Hold’em, ein Mixed-Format, Live-High-Roller-Hold’em und Pot-Limit Omaha: Simão ist längst kein Spezialist mehr, der seine Erfolge nur einer einzigen Variante verdankt.

Seine vier Bracelets erklären allerdings nur einen Teil seines heutigen Status. Noch eindrucksvoller ist die Entwicklung seiner Turniergewinne innerhalb weniger Monate.

Von $11,8 Millionen auf über $31 Millionen in nur elf Monaten

Joao Simao

Im November 2025 bezifferte Card Player João Simãos gesamte Turniergewinne auf etwas mehr als $11,8 Millionen. Sein bis dahin größter Einzel-Cash stammte noch aus dem Bracelet-Turnier von 2022.

Was anschließend folgte, veränderte seine Karriere grundlegend.

  1. BSOP Super High Roller Series (November 2025): Sieg beim $10K Invitational gegen 113 Entries für $256.000.
  2. WSOP Paradise (Dezember 2025): Drittes WSOP-Bracelet und ein Preisgeld von $3.067.000.
  3. Super High Roller Bowl X (Dezember 2025): Simão gewann das Turnier mit 23 Entries und erhielt $1.110.000. Im Heads-up gegen Jason Koon hatte ihm zwischenzeitlich nur eine einzige Karte zur Eliminierung gefehlt.
  4. U.S. Poker Open Event #8 (April 2026): Sieg beim $15K-Turnier für $292.800.
  5. WSOP (Juni 2026): Viertes Bracelet und weitere $1.368.700 Preisgeld.
  6. Triton Jeju II (September 2026): Triumph beim $200K Invitational für den brasilianischen Rekord-Cash von $7.250.000.
  7. Triton Jeju II (September 2026): Zweiter Platz beim $150K 10th Anniversary Special. Nach einem Deal im Heads-up mit Nick Petrangelo erhielt Simão $2.517.090.
  8. Super High Roller Bowl PLO IV (Oktober 2026): Runner-up für $775.000.

Bereits 2025 hatte Simão vier Turniere gewonnen, insgesamt 13 Final Tables erreicht und die Player-of-the-Year-Wertung von Card Player auf Platz 17 abgeschlossen.

Doch selbst diese Bilanz wird von seinen jüngsten Ergebnissen in den Schatten gestellt. Allein die letzten drei Cashes der Liste brachten ihm mehr als $10,5 Millionen innerhalb von weniger als einem Monat.

Triton Jeju: Wie aus zwei Big Blinds ein Sieg für $7,25 Millionen wurde

Das Turnier in Jeju verdient einen genaueren Blick. Schließlich war Simãos Weg zum größten Preisgeld der brasilianischen Pokergeschichte alles andere als gewöhnlich.

Das Triton Invitational unterscheidet sich durch sein besonderes Teilnehmerkonzept von klassischen High-Roller-Turnieren. Professionelle Spieler treffen auf eingeladene Gäste, bei denen es sich überwiegend um Unternehmer und ambitionierte Freizeitspieler aus dem High-Stakes-Bereich handelt. Am ersten Turniertag bleiben beide Gruppen voneinander getrennt.

In Jeju sorgte das Format mit 173 Entries und einem gesamten Preispool von $34,6 Millionen für neue Rekordzahlen.

Simão überstand seine kritische Phase mit gerade einmal zwei Big Blinds und ging schließlich mit 25 Big Blinds in den Finaltag. An der Final-Table-Bubble eliminierte er den Österreicher Matthias Eibinger und sicherte sich damit selbst den Einzug an den letzten Tisch.

Dort startete er als Chipleader. Zwischenzeitlich gehörte ihm sogar ungefähr die Hälfte aller im Spiel befindlichen Chips.

Im entscheidenden Heads-up wartete der Chinese Biao Ding, der auf der Hendon-Mob-Money-List als All-Time-Leader geführt wird.

Das Duell entwickelte sich zu einer Achterbahnfahrt:

  • Zunächst erspielte sich Simão eine Führung von 4:1, verlor diesen komfortablen Vorsprung jedoch wieder.
  • Mit A4 gegen AJ stand seine Turnierexistenz auf dem Spiel. Das Board sorgte allerdings für einen geteilten Pot.
  • Ein mutiger Hero Call mit Queen High brachte ihm anschließend die Führung zurück.

In der letzten Hand traf Simão mit Pocket Kings auf T9 von Ding. Der Flop zeigte 9-5-5, womit Ding zwar ein Paar traf, aber deutlich hinten lag.

Turn und River änderten nichts mehr am Ergebnis.

Simão gewann den Pot, das Turnier und den größten Einzelpreis, den jemals ein brasilianischer Pokerspieler erhalten hatte.

International die Nummer eins, in Brasilien nur die zweite Geige

Angesichts solcher Erfolge müsste João Simão eigentlich das bekannteste Gesicht des brasilianischen Pokers sein.

Doch ein Blick auf die Berichterstattung, die sozialen Netzwerke und die nationalen Ranglisten zeichnet ein anderes Bild.

Während Simão international zunehmend als Aushängeschild Brasiliens gilt, genießt Yuri Dzivielevski in der Heimat weiterhin einen deutlich höheren Bekanntheitsgrad.

Auf dem internationalen Circuit gehört Simão längst zur Weltspitze

Außerhalb Brasiliens bestehen kaum Zweifel an seinem sportlichen Stellenwert.

Card Player führt Simão als den erfolgreichsten brasilianischen Turnierspieler aller Zeiten. PokerNews schrieb nach seinem vierten WSOP-Bracelet, er etabliere sich nicht nur als einer der besten Spieler Brasiliens, sondern auch als einer der besten der Welt.

Im Oktober beschrieb das Pokerportal seine jüngste Erfolgsserie zudem als einen außergewöhnlichen Lauf, wie man ihn nur selten erlebt.

Auch Triton Poker fand nach dem Triumph in Jeju deutliche Worte. In einem offiziellen Beitrag bezeichnete die Tour Simão als:

„Nicht einfach nur ein Champion. Der Champion der Champions.“

International hat er sich damit längst einen Ruf erarbeitet, der über seine Herkunft hinausgeht.

Warum Yuri Dzivielevski in Brasilien trotzdem populärer ist

In der brasilianischen Pokerszene zählen allerdings nicht nur die gewonnenen Preisgelder. Legt man andere Maßstäbe an, liegt Yuri Dzivielevski in mehreren wichtigen Bereichen vor Simão.

  • WSOP-Bracelets: Dzivielevski führt mit sechs zu vier Titeln. Gerade in Brasilien, wo WSOP-Gold eine besondere Bedeutung für den Stellenwert eines Spielers hat, ist dieser Vorsprung nicht zu unterschätzen. Sein sechstes Bracelet gewann Yuri beim $100K High Roller, nur wenige Tage vor Simãos viertem Titel.
  • Social Media: Auf Instagram folgen Dzivielevski mehr als 112.000 Menschen. Simão kommt dagegen auf ungefähr 55.700 Follower.
  • Community-Präsenz: Yuri betreibt mit Reg Life eine Pokerschule samt Team und war außerdem in der brasilianischen Fernsehsendung High Limit Poker Brasil zu sehen.
  • Ranglisten: Simão hat seine Ergebnisse auf The Hendon Mob ausblenden lassen. Da brasilianische Pokermedien besonders häufig auf diese Datenbank zurückgreifen, erscheint Dzivielevski in den entsprechenden nationalen Live-Money-Lists gewöhnlich auf Platz eins.

Für viele brasilianische Pokerfans ist Yuri deshalb die deutlich präsentere Persönlichkeit.

Dass Simão bei den gesamten Turniergewinnen vorne liegt, ändert daran bislang wenig.

Bescheidenheit oder nüchterne Selbsteinschätzung?

Zur unterschiedlichen Wahrnehmung trägt möglicherweise auch Simão selbst bei.

Abseits seiner Entscheidung, die Hendon-Mob-Ergebnisse zu verbergen, fällt auf, wie zurückhaltend er mit seiner öffentlichen Präsenz umgeht.

Sein früherer Instagram-Account „joaosimaobh“ ist nicht mehr verfügbar. Das aktuelle Profil besitzt keine ausgefüllte Biografie. Ein großer Teil der veröffentlichten Inhalte stammt aus Markierungen durch Turnierveranstalter.

Auf X hat Simão seit April 2025 nichts mehr veröffentlicht.

Das wirkt weniger wie mangelnde Aufmerksamkeit für seine Social-Media-Kanäle als vielmehr wie eine bewusste Entscheidung.

Auch seine Aussagen über Yuri Dzivielevski passen dazu.

Als Simão im Juni gefragt wurde, ob er dessen Anzahl an WSOP-Bracelets irgendwann erreichen könne, antwortete er ohne Zögern:

„Er spielt alle Varianten. Er ist wirklich gut, deshalb wäre das nahezu unmöglich.“

Anschließend erklärte er, dass er sich lieber auf seinen eigenen Weg konzentrieren wolle.

Ist das die Bescheidenheit eines Mannes, der gerade sein viertes Bracelet gewonnen hat? Oder die realistische Einschätzung eines Profis, der die Konkurrenz besser kennt als die meisten anderen?

Wahrscheinlich steckt von beidem etwas darin.

Eines wird jedenfalls deutlich: Simão scheint kein Spieler zu sein, der unbedingt im Mittelpunkt stehen möchte.

Fehlt João Simão der Erfolg – oder einfach das Interesse am Rampenlicht?

An seinen Ergebnissen kann es kaum liegen.

In weniger als einem Jahr hat Simão seine gesamten Karrieregewinne beinahe verdreifacht, zwei weitere WSOP-Bracelets gewonnen und den Rekord für den größten brasilianischen Turnier-Cash aufgestellt.

Sportlich liefert er damit praktisch alle Argumente, um als das wichtigste Aushängeschild des brasilianischen Pokers zu gelten.

Dass er diese Rolle in seiner Heimat trotzdem noch nicht vollständig einnimmt, dürfte deshalb andere Gründe haben.

Möglicherweise liegt die Erklärung darin, wie die brasilianische Pokercommunity ihre größten Spieler bewertet. Bracelets sind wichtig, doch ebenso zählen Bekanntheit, regelmäßige Medienpräsenz und eine aktive Verbindung zu den Fans.

Yuri Dzivielevski erfüllt all diese Kriterien und hat sich seine besondere Stellung in Brasilien verdient.

João Simão verfolgt offenbar einen anderen Ansatz. Er tritt an, gewinnt Turniere, bedankt sich und kehrt anschließend zu seiner Familie zurück. Bis zum nächsten großen Event hört man oft nur wenig von ihm.

Die nächste Gelegenheit lässt jedenfalls nicht lange auf sich warten. Die Poker Masters laufen in Las Vegas noch bis zum 23. Oktober, bevor die Triton-Tour im November nach Zypern weiterzieht.

Bis Ende 2026 könnte Simãos Preisgeldbilanz daher noch beeindruckender ausfallen. Vielleicht sorgen weitere große Siege dafür, dass sich die Lücke zwischen seinem internationalen Ansehen und seiner Bekanntheit in Brasilien allmählich schließt.

Vielleicht hat der erfolgreichste brasilianische Turnierspieler aller Zeiten aber auch überhaupt kein Interesse daran, gleichzeitig der berühmteste zu werden.

Und womöglich ist genau diese Gelassenheit einer der Gründe dafür, dass João Simão derzeit so erfolgreich Poker spielt.

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Pokerlistings Author
Fakten geprüft:
PokerListings
Aktualisiert:
26. October 2026