Vier ungewöhnliche Online-Poker-Varianten, die schnell wieder verschwanden

Vier ungewöhnliche Online-Poker-Varianten, die schnell wieder verschwanden

Die Geschichte des Online-Pokers ist geprägt von Experimenten mit neuen Spielvarianten und ungewöhnlichen Formaten. Auch 2026 entwickeln Pokeranbieter weiterhin neue Konzepte, um insbesondere Freizeitspieler anzusprechen. Allerdings schaffen es längst nicht alle Innovationen, sich dauerhaft am Markt zu etablieren.

Manche Ideen hatten durchaus das Potenzial zum großen Erfolg, scheiterten jedoch am falschen Zeitpunkt oder an ungünstigen Marktbedingungen. Andere Konzepte konnten die Spieler schlicht nicht überzeugen.

Vier außergewöhnliche Pokerformate zeigen, wie schnell selbst ambitionierte Experimente wieder aus den Lobbys verschwinden können.

Unfold Hold’em

Im August 2018 brachte PokerStars nach mehrmonatigen Tests schließlich die Cash-Game-Variante Unfold auf den Markt. Dabei hatte das neue Format bereits während der Testphase überwiegend negative Reaktionen aus der Poker-Community hervorgerufen.

Das Grundprinzip basierte auf gewöhnlichem Texas Hold’em an 8-Max-Tischen mit Antes. Allerdings gab es eine entscheidende Besonderheit: Spieler konnten ihre bereits gefoldeten Karten gegen eine zusätzliche Gebühr wieder ins Spiel bringen.

Wer diese Möglichkeit nutzte, durfte mit seiner ursprünglichen Hand erneut am Geschehen teilnehmen und um einen separaten Pot spielen, den sogenannten „Unfold Pot“.

Unusual Online Poker Games: Unfold Hold’em
Unfold Hold’em

Die zusätzliche Spielmechanik stieß von Beginn an auf erhebliche Kritik. Viele Spieler sahen darin vor allem einen Versuch von PokerStars, noch mehr Geld der Freizeitspieler über den Rake einzunehmen.

Trotz dieser Vorbehalte hielt der Anbieter zunächst an seiner Idee fest und veröffentlichte das Format offiziell.

Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus. Nicht einmal einen Monat nach dem Start verabschiedete sich PokerStars bereits wieder von Unfold. Damit endete eines der umstrittensten Experimente der Plattform beinahe genauso schnell, wie es begonnen hatte.

Pick’em8

Im Dezember 2018 stellte 888poker mit Pick’em8 ein weiteres ungewöhnliches Konzept vor. Der Veröffentlichung waren eine längere Entwicklungsphase und umfangreiche Tests vorausgegangen.

Allerdings handelte es sich dabei weniger um eine klassische Pokervariante als um ein eigenständiges Spiel, dessen Regeln lediglich auf grundlegenden Elementen des Pokers aufbauten.

Unusual Online Poker Games: Pick’em8
Pick’em8

Der Ablauf war denkbar einfach: Vor den Spielern wurden acht Karten ausgelegt, aus denen sie jeweils zwei auswählen mussten. Anschließend erschienen fünf Gemeinschaftskarten auf dem Tisch.

Die Teilnehmer mit den stärksten Pokerhänden teilten sich schließlich den Preispool.

Das Konzept fand allerdings kaum Anklang. Zahlreiche Spieler bezeichneten Pick’em8 als nicht viel mehr als ein anspruchsloses Casinospiel, bei dem hauptsächlich das Glück entscheidet.

Innerhalb eines Jahres verschwand die Variante wieder aus dem Angebot von 888poker.

Bemerkenswert war vor allem, wie geräuschlos das Ende erfolgte. Noch 2026 lassen sich kaum Informationen darüber finden, wann und unter welchen Umständen Pick’em8 offiziell eingestellt wurde.

Fast entsteht der Eindruck, als hätte man versucht, sämtliche Spuren des Experiments zu beseitigen – nicht nur aus der Poker-Lobby, sondern auch aus dem kollektiven Gedächtnis der Spieler.

HoldemX

Mit HoldemX wagte das Unternehmen Mediarex im Jahr 2016 einen besonders ambitionierten Versuch, das traditionelle Pokerspiel um neue strategische Elemente zu erweitern.

Die Entwickler kombinierten Mechaniken aus Texas Hold’em mit Konzepten bekannter Karten- und Strategiespiele wie Hearthstone, Magic: The Gathering und Uno.

Im Februar 2016 wurde eine erste Alpha-Version veröffentlicht, die ausschließlich mit Spielgeld ausprobiert werden konnte. Ziel war es, den Spaß am Poker wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken und gleichzeitig seinen Charakter als kompetitiven Denksport auszubauen.

Unusual Online Poker Games: HoldemX
HoldemX 

Das Spielprinzip unterschied sich in mehreren Punkten deutlich vom klassischen Hold’em.

Zu Beginn jedes Heads-up-Duells mussten beide Spieler zunächst drei sogenannte xCards auswählen, die ihr Gegner während der Partie nicht einsetzen durfte. Der Gesamtwert dieser gesperrten Karten durfte 45 Punkte nicht überschreiten.

Anschließend stellte jeder Teilnehmer sein eigenes xCard-Set für das bevorstehende Match zusammen. Dieses durfte aus maximal sechs Karten bestehen, deren Gesamtwert auf 90 Punkte begrenzt war.

Erst danach begann die eigentliche Pokerpartie.

Grundsätzlich wurden die Hände nach den gewohnten Regeln von Texas Hold’em gespielt. Allerdings konnten die Teilnehmer auf der jeweils vorgesehenen Street zusätzliche xCards einsetzen, um sich einen strategischen Vorteil zu verschaffen oder die Stärke ihres Gegners zu reduzieren.

Damit entstand eine weitere taktische Ebene, die deutlich mehr Planung und Vorbereitung erforderte als gewöhnliches Hold’em.

Das Konzept wirkte vielversprechend. HoldemX hätte sich durchaus zu einer bedeutenden Innovation innerhalb der Pokerszene entwickeln können.

Über die Alpha-Phase kam das Projekt jedoch nie hinaus. Die Entwicklung wurde schon nach kurzer Zeit eingestellt.

Ganz ohne Einfluss blieb die Idee dennoch nicht. HoldemX diente als Inspiration für Power Up, eine von PokerStars im Februar 2017 eingeführte Variante mit vergleichbaren Spielelementen.

Unusual Online Poker Games: Power Up
Power Up

Auch dieser Versuch hatte allerdings nur eine kurze Lebensdauer.

Bereits im November 2017 entfernte PokerStars Power Up aufgrund mangelnder Popularität wieder aus seiner Lobby.

Innerhalb der Community wurde darüber spekuliert, warum solche Konzepte bei den Spielern nicht besser ankamen. Eine verbreitete Vermutung lautete, dass viele Menschen beim Glücksspiel möglichst unkomplizierte Unterhaltung suchen und keine zusätzliche Lust auf komplexe strategische Überlegungen haben.

Beat the Clock

Als PokerStars im November 2016 mit neuen Sit&Go-Formaten experimentierte, verlief der Start zunächst durchaus vielversprechend.

Besonders Beat the Clock überzeugte mit einem einfachen, auf Geschwindigkeit ausgelegten Konzept.

Der Name war Programm: Jedes Turnier dauerte lediglich fünf Minuten. Sobald die Zeit abgelaufen war, wurde das Spiel automatisch beendet.

Die anschließende Preisverteilung richtete sich danach, wie viele Chips die einzelnen Teilnehmer innerhalb dieser fünf Minuten angesammelt hatten.

Unusual Online Poker Games: Beat the Clock
Beat the Clock

Bei vielen Spielern kam das schnelle Format gut an. Zwar bemängelten insbesondere Regulars den für diese Spielstruktur vergleichsweise hohen Rake von 10 %, doch grundsätzlich bestand durchaus Interesse an den Turnieren.

In der Lobby waren nahezu rund um die Uhr laufende Spiele zu finden, sodass Interessierte praktisch jederzeit an einer Partie teilnehmen konnten.

Trotzdem verschwand Beat the Clock bereits im September 2017 wieder aus dem Angebot.

Woran lag es?

Anders als bei einigen anderen gescheiterten Pokerexperimenten war hier offenbar weniger das Spielkonzept selbst das Problem. Entscheidend war vielmehr der ungünstige Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Zur gleichen Zeit brachte PokerStars weitere schnelle Turnierformate auf den Markt, darunter Knockout Poker und Spin&Go MAX.

Diese konkurrierenden Angebote rückten die Besonderheiten von Beat the Clock zunehmend in den Hintergrund.

Der Markt für schnelle Pokerturniere war damit innerhalb kurzer Zeit von ähnlichen Konzepten geprägt. Für PokerStars stellte sich folglich die Frage, welche Varianten wirtschaftlich am attraktivsten waren.

Das Unternehmen entschied sich, den profitableren Formaten den Vorzug zu geben. Hinzu kam, dass PokerStars parallel erhebliche Ressourcen in den bevorstehenden Start von Power Up investierte.

Beat the Clock fiel somit vor allem der starken internen Konkurrenz und einem ungünstigen Veröffentlichungszeitpunkt zum Opfer.

Das Beispiel zeigt, dass selbst eine grundsätzlich beliebte Pokervariante nicht zwangsläufig langfristig bestehen bleibt. Neben dem Interesse der Spieler können auch der Zeitpunkt des Marktstarts, konkurrierende Formate und wirtschaftliche Prioritäten eines Anbieters über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

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Pokerlistings Author
Fakten geprüft:
PokerListings
Aktualisiert:
23. October 2026