JNandez legt starkes PLO-Buch vor: Warum hinter den „100 Tipps“ weit mehr steckt

JNandez legt starkes PLO-Buch vor: Warum hinter den „100 Tipps“ weit mehr steckt

Im Oktober 2026 veröffentlicht D&B Poker einen neuen Leitfaden für Omaha-Spieler und alle, die Pot-Limit Omaha besser verstehen wollen: 100 Essential Tips to Master Pot-Limit Omaha von Fernando „JNandez“ Habegger.

Ich hatte die Gelegenheit, das Buch bereits vor der Veröffentlichung zu lesen. Entsprechend groß ist die Liste meiner Eindrücke – und über einige Punkte lohnt es sich besonders zu sprechen.

Ein paar Schwächen vorweg

Insgesamt ist Habeggers neues Buch sehr gelungen. Bevor es jedoch um die Stärken geht, möchte ich mit einigen kleineren Kritikpunkten beginnen, die man vor dem Kauf kennen sollte.

Der erste betrifft bereits den Titel. Wer bisher keine Pokerbücher im klassischen „N Tips“-Format gelesen hat, könnte hier etwas anderes erwarten. Die eigentlichen Tipps nehmen nämlich nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Buches ein.

Im Mittelpunkt stehen vielmehr quizartige Übungen, auf die ausführliche Erklärungen und kleine Lektionen folgen. Die Tipps fungieren deshalb eher als Zusammenfassung. Diese Aufgabe erfüllen meiner Meinung nach die Key Takeaways am Ende der jeweiligen Abschnitte sogar noch besser.

Unterm Strich handelt es sich also weniger um eine reine Sammlung von Ratschlägen als um ein Trainingsbuch. Genau das sollte man bei der Kaufentscheidung im Hinterkopf behalten.

Fernando “JNandez” Habegger
Fernando “JNandez” Habegger

Auch das Inhaltsverzeichnis könnte hilfreicher sein. Die 100 Tipps sind auf zehn Kapitel mit Überschriften wie „Stack Size“, „Ranges“ oder „Equity“ verteilt. Wer gezielt nach einem bestimmten Thema sucht, bekommt dadurch allerdings nur wenig Orientierung.

Zum Vergleich: Ein ähnlich benanntes Buch von Jonathan Little für Hold’em-Spieler listet sämtliche behandelten Tipps bereits im Inhaltsverzeichnis samt kurzer Beschreibung auf. Das ist im Alltag deutlich praktischer.

Ein zweites Problem teilt Habeggers Buch mit vielen vergleichbaren Werken: Es versucht, möglichst viele Lesergruppen gleichzeitig anzusprechen. Einerseits soll es verständlich genug für Einsteiger bleiben, andererseits auch Spielern etwas bieten, die bereits Poker spielen und mit der jeweiligen Variante vertraut sind.

Das gelingt nicht immer vollständig. Trotz des insgesamt zugänglichen Schreibstils werden manche Grundlagen für erfahrenere Leser etwas zu ausführlich erklärt. Andere Themen, etwa Solver, können für komplette Anfänger wiederum recht anspruchsvoll wirken.

Der dritte Kritikpunkt betrifft den Aufbau der Übungen. Das Schema ist immer identisch:

  • Spot und dazugehörige Frage ansehen;
  • Situation durchdenken und eine Antwort auswählen;
  • anschließend Lösung und Erklärung prüfen.

Für ein Online-Quiz funktioniert dieses Format hervorragend. Auf Papier oder in einem PDF ist es etwas weniger elegant.

Ich habe das Buch auf einem Tablet gelesen und bin beim Scrollen mehrfach versehentlich etwas zu weit geraten, sodass die Lösung bereits sichtbar war, bevor ich meine eigene Antwort zu Ende durchdenken konnte. In anderen Fällen habe ich die richtige Stelle übersprungen und fand mich plötzlich mitten in der Erklärung wieder.

Das mindert weder die Qualität des Buches noch den Wert seiner Inhalte. Es macht das Lesen lediglich etwas umständlicher.

All diese Punkte sind jedoch eher Kleinigkeiten. Trotz dieser Schwächen kann ich 100 Essential Tips to Master Pot-Limit Omaha klar empfehlen – sogar Spielern, deren Hauptvariante Hold’em ist. Der Grund dafür liegt in der Art, wie dieses Buch zum Denken zwingt.

Ein Pokerbuch, das zum Nachdenken zwingt

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen nicht nur alltägliche Aufgaben, sondern teilweise sogar ihren eigenen Denkprozess an KI auslagern, macht das Buch von JNandez etwas besonders Wertvolles: Es fordert den Leser konsequent zum Nachdenken auf.

Dabei geht es nicht nur um die konkrete Frage einer einzelnen Übung. Immer wieder wird man dazu gebracht, grundlegender über das Spiel, die Gegner und die mathematischen Zusammenhänge hinter den Entscheidungen nachzudenken.

Das funktioniert auch deshalb so gut, weil das Buch sehr zugänglich geschrieben ist. Habegger drängt dem Leser nicht ständig seine persönliche Meinung auf. Stattdessen werden die Inhalte überwiegend sauber strukturiert, klar formuliert und nachvollziehbar erklärt.

Unnötige Ausschweifungen bleiben ebenso weitgehend aus wie die trockene, übermäßig technische Sprache, die man von manchen Pokerautoren kennt.

Schon zu Beginn macht das Buch einen Punkt sehr deutlich: PLO verdient Zeit und Aufmerksamkeit.

Als jemand, der Omaha selbst nur gelegentlich spielt, kann ich bestätigen, dass diese Botschaft ankommt. Während der Lektüre hatte ich nicht nur Lust, häufiger Omaha zu spielen. Nach gefühlt jeder dritten oder fünften Übung wollte ich das Buch am liebsten zur Seite legen und sofort einen Tisch öffnen, um das gerade Gelernte auszuprobieren.

Besonders gut gefallen hat mir, dass das Buch von Beginn an verspricht, sich auf kleine Spots zu konzentrieren, die in ihrer Summe langfristig EV erzeugen.

An diesem Ansatz hält es konsequent fest. Habegger versucht nicht, den Leser ständig mit spektakulären Händen oder riesigen Pots zu beeindrucken. Stattdessen geht es um die vielen kleineren Entscheidungen, die auf Dauer einen Unterschied machen.

Ein Spaziergang ist die Lektüre allerdings nicht.

Mehr als einmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass meine „kleinen grauen Zellen“ tatsächlich arbeiten mussten. Zwischendurch kam ich mir sogar ziemlich ahnungslos vor.

Das war jedoch nie frustrierend, weil das Buch den Leser für Wissenslücken weder belächelt noch von oben herab behandelt. Stattdessen motiviert es dazu, sich Schritt für Schritt und mit echter Neugier durch schwierige Konzepte zu arbeiten.

Ein gutes Beispiel dafür war für mich das Spiel mit double-paired und double-suited Händen. Erst beim Lesen wurde mir bewusst, wie oberflächlich ich die Unterschiede in solchen Spots bislang verstanden hatte.

Schon kleine Veränderungen bei Faktoren wie Position, Stack Size, Aktionen der Gegner oder deren Ranges können dazu führen, dass dieselbe Hand völlig anders gespielt werden muss.

Genau darin liegt für mich die größte Stärke des Buches – und der Punkt, der es wirklich herausragend macht.

JNandez zeigt sehr anschaulich, wie stark sich die optimale Spielweise derselben Hand oder derselben Position verändern kann, sobald sich die Rahmenbedingungen verschieben.

Damit vermittelt das Buch nicht nur Theorie. Es trainiert auch die Fähigkeit, Poker-Spots flexibel und dynamisch zu betrachten, statt sie als starre Situationen zu verstehen, für die es immer nur eine feste Antwort gibt.

Natürlich hat mich die Lektüre nicht von einem Omaha-Anfänger innerhalb weniger Tage in einen PLO-Meister verwandelt.

Sie hat allerdings dafür gesorgt, dass ich das Spiel aufmerksamer, interessierter und mit deutlich mehr Respekt betrachte als zuvor.

Einen Fehler sollte man dabei vermeiden: alle 376 Seiten von 100 Essential Tips to Master Pot-Limit Omaha möglichst schnell am Stück durchzuarbeiten.

Dieses Buch funktioniert deutlich besser in kleineren Portionen. Und es gibt keinen Grund, sich davor zu scheuen, einzelne Abschnitte mehrfach zu lesen, bis die dahinterliegenden Konzepte wirklich sitzen.

Für mich lässt sich die zentrale Aussage des gesamten Buches besonders gut in einer Passage zusammenfassen, die ich hier zitieren möchte:

100 Essential Tips to Master Pot-Limit Omaha

Jede Hand hat ein Ergebnis, und dieses Ergebnis ist laut. Unter diesem Ergebnis liegt jedoch die eigentlich entscheidende Zahl: der Erwartungswert der getroffenen Entscheidung. Und diese Zahl ist meistens leise. Die Spieler, die besser werden, sind diejenigen, die lernen, diese leise Zahl trotz des lauten Ergebnisses zu hören.

100 Essential Tips to Master Pot-Limit Omaha kann bereits auf der Website von D&B Poker vorbestellt werden – und meiner Meinung nach ist das Buch jeden Cent wert.

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Pokerlistings Author
Fakten geprüft:
PokerListings
Aktualisiert:
5. October 2026